Text Römer 8, 18-25
Liebe Gemeinde
Fragen über Fragen: Bedeuten die Unfallopfer, die Krebstoten, die Hungernden in der Dritten Welt, dazu der Leerlauf und die Vergeblichkeiten in meinem Leben nichts im Verhältnis zu der verheißenden Zukunft?
Noch provozierender gefragt:.Wiegen Auschwitz und Gaza leicht gegenüber der "Herrlichkeit, die einmal an uns offenbart werden soll"? Wer kann und darf so reden? Pastoren etwa? Wer ist in der Lage, das unheilbar Kranken glaubwürdig zu bezeugen? Oder denen, die um einen Verstorbenen trauern? Wer ist so stark und glaubensgewiss sich damit selbst Mut zu machen, wenn er den Tod vor Augen hat? Wird hier das Leid nicht schon von vornherein zugunsten einer Hoffnung, für die es kaum sichtbare Anhaltspunkte gibt, abgeleitet? Wird hier nicht die Gegenwart mit ihren Problemen vom "Prinzip Hoffnung" her verkürzt und entwirklicht?
Die Welt, die uns umgibt und in unser Blickfeld tritt, kann diese unwahrscheinliche Hoffnung nicht rechtfertigen. Sie wird durch andauernde Wirtschaftskrisen, Energie- und Umweltfragen, soziale Konflikte, mangelnde Menschlichkeit und vieles andere in Frage gestellt. Wenn wir von der Zukunft reden, überkommen uns Befürchtungen und Ängste, und das nicht nur wegen der "Grenzen des Wachstum ".
Paulus redet vom Standpunkt des Glaubens aus.Das bildet den Unterschied zur Zukunftsforschung, die von einer Gegenwartsanalyse her gestrichelte Linien in die Zukunft hineinzieht. Christliche Hoffnung hat nichts mit einer Prognose zu tun, die um so vager wird, je weiter sie sich in die vor uns liegende Zeit hinauswagt. Es ist begründete Hoffnung. Der göttliche Geist vergegenwärtigt nicht nur die schon geschehende Heilsgeschichte, sondern vermittelt Gegenwart und Zukunft und gibt uns den Stand der Hoffnung.
Das Zukunftsbild des Glaubens verändert die Gegenwart. Die Zukunftserwartung der Christen ist nicht dadurch schon Hoffnung, daß sie eine Kunst des Möglichen darstellt oder mit dem Unmöglichen rechnet, sondern daß sie Gott das Unmögliche zutraut. Sie ist Auszug aus der Welt des Verrechenbaren; sie verlängert also die Gegenwart in die Zukunft hinein. Ihr Zukunftsbild
kann daher nicht einfach ein Kontrastgemälde zur Gegenwart sein. Die Leiden und Probleme der Gegenwart werden weder überspielt noch überbewertet. Vielmehr wird deutlich ,daß trotz der Größe der Leiden, Ängste und Anfechtungen die künftige Herrlichkeit Gottes zu den Menschen kommt und das ungleich größere Gewicht hat.
Das offenbart den wahren Stellenwert dessen, was uns sonst heute bedrückt und erschrecken kann. Das Leid erweist sich als etwas Vorläufiges und deshalb nur Relatives. Aus dem Wissen um DAS JA des Schöpfers zu seiner Kreatur, das seit der Auferstehung Jesu Christi das positive Vorzeichen der christlichen Weltanschauung und Zukunftserwartung darstellt, gewinnt der Glaube seinen Mut.
Christliche Hoffnung ist keine Flucht in einen schönen Traum, kein Opium des Volkes. Sie schöpft ihre Zuversicht aus dem Reservoir der Vorfreude. Sie denkt die biblische Geschichte nach vorn, erinnert Zukunft, in dem die Dinge vom Ziel der Geschichte her rückblickend gesehen und eingeschätzt werden können.
Wir sind solange wir leben, Wesen zwischen zwei Welten. Wir gehören nur für begrenzte Zeit in diese Welt und können die andere Welt allenfalls manchmal spüren. Zugleich sind die Wände zwischen den beiden Welten dünn. Es kommt daher darauf an, was wir glauben und worauf wir vertrauen.
Ich glaube, es gibt im Leben ein Gesetz, dass wenn eine Tür sich schließt, eine andere sich auftut. Und wenn die Türen, durch die wir gegangen sind, sich einmal schließen, eine nach der anderen, dann vertraue ich darauf, daß sich vor unseren Augen die Wände auflösen, in denen die Türen sich drehten: Die Welt wird größer, als sie jemals für uns gewesen ist, das Licht einer anderen Wirklichkeit liegt über ihr und unser Weg setzt sich in einer nur heute nicht verstellbaren Weise fort.
Dies ist eine Hoffnung. Noch stehen wir überall vor Rätseln, die nicht lösbar erscheinen, jenseits derer wir aber die Auferstehung glauben. Noch leiden wir unter den Dunkelheiten, aber jenseits der Dunkelheit glauben wir die Auferstehung. Noch wird uns das Leid in der Welt unbegreiflich bleiben. Aber wir glauben die Auferstehung. Die Rätsel, die Schmerzen und die Konflikte bleiben.
Aber wir schauen voraus auf die Auferstehung.
Ja, das tun wir als Christen. Aber vorher sind wir durch viele Türen gegangen, an die wir uns erinnern. Ich denke da als ein nunmehr alter Mann an den 20. April 1943. Fliegeralarm gegen Mitternacht mit der totalen Ausbombung in Stettin. Danach die Evakuierung in das Geburtsdorf meiner Mutter in Hinterpommern.
Damit nicht genug. Der Krieg ging ja weiter, und am 2. Februar 1945 rollten die sowjetischen Panzer durch das Dorf. Was dann geschah, will ich hier nicht in Einzelheiten aufzählen, doch nur soviel, als daß ich Augenzeuge von Mord und Vergewaltigung wurde.
Danach dann eine weitere Tür. Die Vertreibung durch Polen im Juni des selben Jahres. Über Fiddichow an der Oder und weiter wieder nach Stettin und Kölzin bei Greifswald, holte uns, also meine Mutter und mich, mein Vater, aus britischer Kriegsgefangenschaft entlassen, über Berlin und Helmstedt nach Aligse bei Lehrte in den Westen.
Es war ein Neuanfang, nur daß es nun endlich Frieden war. Schule, Abitur und Studium der Theologie an verschiedenen deutschen Universitäten sowie schließlich durch ein Stipendium des Lutherischen Weltbundes in den USA. Danach dann die Heirat und 32 Jahre Pastor in einem kleinen Dorf bei Osnabrück. Auch Militärpfarrer im Nebenamt und Jugendschöffe.
Nach der Pensionierung kein Ruhestand, sondern Ruf an verschiedene Universitäten und Hochschulen in Europa, Indien, den USA sowie "LAST not LEAST" auf Inseln der Südsee: Samoa,
Vanuatu, Kiribati und den Cook Inseln.
Und damit bin ich mit nunmehr 91 Jahren hier angekommen. Zuvor noch der Tod meiner Frau im April diesen Jahres nach mehr als 60 Jahren Ehe mit drei Kindern und sechs Enkeln.. Meine Bekanntschaft mit Pastor Riedel brachte mich nach Pommern zurück. Ich konnte ihm in seiner Arbeit in Penkun und den dazugehörigen Dörfern oftmals aushelfen. Dabei dann auch im Rahmen der Pommerschen Heimatkirche Einsatz bei den letzten deutschen Gemeinden im jetzt polnischen Hinterpommern.
Es waren viele Türen, durch welche ich gegangen bin. Auch Sie alle erinnern sich an solche, mehr oder weniger gern.Einmal wird es die Letzte sein.
Ja, und dann der Glaube an die Auferstehung.
"Wir warten Dein, o Gottessohn und lieben Dein Erscheinen. Wir wissen dich auf deinem Thron und nennen uns die Deinen.
Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir entgegen; du kommst uns ja zum Segen."
Amen
Zum Tag des offenen Denkmals am 14. September 2025 war die Gedächtniskirche in Rosow die letzte Station einer von der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Uckermark in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Prenzlau organisierten Busreise durch die Region.
Rund 60 Teilnehmende hatten sich auf den Weg gemacht, um verschiedene denkmalgeschützte Orte der Uckermark zu entdecken. In Rosow wurden sie herzlich von Mitgliedern des Fördervereins empfangen, die interessante Einblicke in die Geschichte und Bedeutung der Gedächtniskirche gaben.
Der Vorsitzende des Vereins Karl Lau gab einige Erläuterungen zum Wiederaufbau der Kirche, zu ihrem Anliegen und ihrer jetzigen Nutzung. Die Besucher zeigten sich sehr interessiert an den dokumentierten Geschichten der Kriegsflüchtlinge von 1945. Sie nahmen die ausgelegten Entwürfe für den neu gestalteten Turm in Augenschein und nutzten die Gelegenheit, über die lange Treppe auf die Aussichtsplattform zu steigen und den wunderbaren Blick in die Ferne zu genießen.
Bei Kaffee und Kuchen, wieder gebacken von Frauen aus der Umgebung, kamen alle nett ins Gespräch, immer wieder waren anerkennende Worte zum Projekt von unseren Gästen zu hören.
Nach regem Gedankenaustausch konnten sich alle an einem 30minütigen Konzert, welches von 3 Schülerinnen der Musikschule in Schwedt am Klavier und mit Gesang gestaltet wurde, erfreuen.
Danach ging ein gelungener und bereichernder Nachmittag für alle Beteiligten zu Ende.
EK
Die Lesung „Briefwechsel zwischen Theodor und Emilie Fontane“, einfühlsam dargeboten von Sabine und Lutz Langner, war ein bewegender literarischer Höhepunkt in der Gedächtniskirche Rosow. Die ausdrucksstarke Interpretation des Ehepaars Langner berührte die zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher tief.
Im Anschluss bot sich bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit zu anregenden Gesprächen und zum Austausch über das Gehörte.
Rosow, eingebettet in eine wunderschöne Landschaft, bietet mit seiner besonderen historischen Atmosphäre einen idealen Ort für eine nachdenkliche Auseinandersetzung mit Literatur und Geschichte. (BL)
Anfang dieses Jahres ließ sich zum Zeitpunkt der Termin-Festlegung für die LESUNG
auf der Gartzer Plattform noch nicht erkennen, dass die erst viel später bekannt gegebenen Dorffeste in der Region die Besucherzahl aus der Umgebung in Rosow beeinträchtigen würde.
Insgesamt 70 Interessenten waren erfreulicherweise dann aber doch gekommen – davon aus Berlin 38 mit dem Bus (1) und 3 mit dem Pkw sowie ca. 30 aus der Region.
Die Veranstaltung, die nicht nur vom angekündigten Ehepaar Langner, sondern zur Überraschung des Publikums noch von einer 3. Person, nämlich Herrn Horst Budde (2), in der Darbietung schauspielerisch professionell und souverän bestritten wurde, hat sowohl den Akteuren als auch den Zuhörenden, die zwischendurch alle zum Volkslieder-Singen bei begleitender Gitarre motiviert wurden, erfreut. Alle Drei haben dies dankenswerterweise ohne Entgelt-Absichten, also allein aus Spaß an den Auftritten gemacht.
Das haben nicht nur der freundliche Schluss-Applaus, sondern auch das unerwartet hohe Spenden-Aufkommen sowie die Gespräche beim anschließenden Kaffeetrinken und der Rückfahrt im Bus gezeigt. KS