Schule Tantow

Vortrag zum 3. Kolloquium Rosow – Żabnica von Lehrerin i. R. Waltraud Stephan am 23. Mai 2015

Thema: „ Polytechnische Oberschule in Tantow 1960 bis 1990“


Tantow – 6 km von Rosow entfernt – ist größtes Dorf der Umgebung, hier gab es drei Schulgebäude:
•die Dorfschule für alle Kinder des Dorfes, sie bestand – wie hier in Rosow – schon vor 1945;
•eine Zentralschule gebaut 1952 für alle Kinder der Klassen 5 bis 8 aus den umliegenden Dörfern;
•ab 1959 begann man mit der Einführung der 10-Klassen-Schule, zunächst auf freiwilliger Basis, dann für alle Schüler. – Platzmangel

Als wir 1958 nach Tantow kamen stand hinter der Zentralschule der Rohbau einer großen Schule. 1960 begann langsam – Klasse für Klasse – der Umzug in diese neue „Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule“, gebaut für alle Klassen von 5 bis 10 aus allen umliegenden Dörfern.

Nach und nach wurden die kleinen Dorfschulen aufgelöst, so dass schließlich alle Schüler in Tantow beschult wurden. Auch in anderen zentralen Orten wurden ähnliche Schulen gebaut, aber unsere Schule blieb die schönste, weil sie so klar gegliedert gebaut war, dass sich auch der kleinste Schüler darin nicht verirren konnte (pfleglicher Umgang / Hausschuhe).

Alle Schüler wurden mit Bussen aus ihren Heimatorten nach Tantow befördert, und es war für die Schüler kostenfrei.

In dieser neuen schönen „Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule“ gab es mit der Einführung der 10-Klassen-Schule auch neue Fächer, z. B. Astronomie für Klasse 10 und Polytechischen Unterricht für die Klassen 7 bis 10 sowie ESP-Einführung in die sozialistische Produktion. Einen Tag in der Woche gingen diese Schüler in Betriebe, z. B. in die LPG Rosow in das Trockenwerk. In Staffelde lernten sie in der Tier- und Pflanzenproduktion, in Tantow arbeiteten sie im Kreisbetrieb für die Landtechnik; sogar beim Elektromeister Herrn Becker wurden Schüler mit diesem Fach bekannt gemacht. Dazu gab es auch einen Verbindungslehrer für den Polytechischen Unterricht.

In den kleinen Dorfschulen hatten je 1 bis 2 Lehrer alle Alterstufen unterrichtet. Das war sehr anspruchsvoll; meist gab es Mehrstufenunterricht - also Klasse 1 bis 4 und Klasse 5 bis 8 unterrichtete man gemeinsam. In der „Zentralschule“ und danach in der „Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule“ unterrichteten Fachlehrer, die anfangs 2, später 3, 4 oder 5 Jahre studiert hatten. Es gab Fachlehrer für Mathematik und Physik, für Biologie und Chemie, für Erdkunde und Geschichte, für Sport, Musik usw. (Schulgarten, Astronomie – Wir nach 3-jährigem Studium in PI Erfurt in den Fächern Deutsch/Kunst ab 1958).

Dementsprechend gab es auch Fachräume, z. B. für Chemie mit Vorbereitungsraum, eine Aula mit Klavier für den Musikunterricht und eine große Turnhalle mit vielen Geräten.

Es gab auch einen Ruheraum und einen Arztraum. Hier untersuchte ein Zahnarzt regelmäßig die Zahngesundheit der Schüler und konnte sie auch behandeln, und ein Orthopäde überprüfte die Haltungsschäden der Schüler (Orthopädisches Turnen für manche Schüler in der Schule).

Schulessen: In der Schulküche wurde täglich mit frischen Zutaten (keine Konserven!!) Mittagessen gekocht. Das Essen war preiswert (65 Pfennige), und der Preis war gestaffelt je nachdem, wie viele Kinder einer Familie in der Schule lernten; es gab auch Freiesser!

Auch aus dem Schulgarten (mit Gewächshaus) wurde Gemüse verarbeitet, worauf Schüler besonders stolz waren.
Die Schulbildung wurde zentral geleitet vom Bildungsministerium. Alle Schüler hatten die gleichen Schulbücher und konnten sie kostenlos benutzen; aber viele Eltern kauften die Bücher, weil sie auch in den folgenden Jahren benutzt werden konnten.
Alle Lehrer arbeiteten nach den gleichen Lehrplänen; es gab keine Probleme für Schüler, die neu dazu kamen. Die Lehrer hatten keinen Beamtenstatus mehr wie vor 1945 (wie z. T. auch jetzt in Deutschland).Von faschistischer Ideologie belastete Lehrer wurden nach 1945 nicht mehr eingestellt. Dafür wurden Neulehrer ausgebildet (junge Menschen mit verkürzter Lehrerausbildung).

Außerunterrichtliche Arbeit: Dafür war der zweite stellvertretende Direktor verantwortlich. Ein Nachmittag in der Woche fand außerunterrichtliche Arbeit statt: Im Wechsel gab es Arbeitsgemeinschaften oder Gruppennachmittage der Pioniere bzw. der Mitglieder der FDJ (Freie Deutsche Jugend).

Arbeitsgemeinschaften: Judo, Boxen, Handball, Schach, Malen und Zeichnen, Chor usw.
Lehrer und auch Eltern gestalteten diese Arbeit.

Einmal im Jahr gab es an der Schule ein Schulsportfest; die Sieger nahmen an der Kreisspartakiade in Angermünde teil, die Besten davon fuhren zur Bezirksspartakiade nach Frankfurt. So wurde z. B. Carola Mieseler aus Staffelde Weltmeisterin im Rudern.

Die Schüler fuhren auch zum Wettstreit im Schach oder im Vorlesen nach Angermünde, oder sie schickten ihre Bilder zur Ausstellung „Galerie der Freundschaft“.

Nach 1989 lief der Schulbetrieb noch mehrere Jahre weiter, dann Sortierung: Klasse 7 bis 10 nach Gartz; Tantow wird Grundschule; die Gartzer Grundschüler kommen nach Tantow.

2004/2005 Kampf um Erhalt der Schule. Auseinandersetzung: Bleibt Tantower Schule bestehen oder übernimmt die Gartzer Schule alle Schüler
 

zurück