Predigttext, gek.

Wolfgang Huber

Predigt im Festgottesdienst zum zehnten Jahrestag
der symbolischen Grundsteinlegung für die Gedächtniskirche Rosow


am Sonntag Trinitatis, 22. Mai 2016

Zusammenfassung

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“ (Epheser 2, 19). Unter diesem biblischen Wort feiern wir die zehnjährige Wiederkehr des Tages, an dem symbolisch der Grundstein für die Gedächtniskirche Rosow gelegt wurde. Nur symbolisch; denn der Grundstein ist viel älter. Schon in dem Jahrhundert, in dem der Ort Rosow zum ersten Mal erwähnt wurde, vor bald siebenhundert Jahren, wurde die Kirche errichtet. Im Lauf der Jahrhunderte wurde immer wieder an ihr weitergebaut. Aber auch die Vernichtungsgewalt des Krieges machte vor dieser Kirche nicht Halt. An einem der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs, im April 1945, brannte sie völlig aus. Der aus Fachwerk aufgebaute, hoch aufstrebende Turmaufsatz brach in sich zusammen. Deutlicher war nicht zu zeigen, dass Deutsche und Polen sich in dieser Zeit wie „Fremdlinge“ begegneten, oft wider Willen in einen schier unauflösbaren Konflikt gezogen.
Dass Deutsche und Polen einander zu Mitbürgern und Hausgenossen wurden, ist ein kostbares Geschenk, für das wir heute danken. Die Mauer in Europa fiel, Deutsche wie Polen gehören heute zur Europäischen Union und sind in gemeinsamer Friedensverantwortung verbunden. Aber dauerhafter Friede ist etwas, was wir Menschen nicht selbst machen können. Er wird uns anvertraut; an uns liegt es, ihn verantwortlich zu gestalten. An die Grundlage dafür, wie wir aus Gästen zu Mitbürgern und aus Fremdlingen zu Hausgenossen werden, erinnert diese Kirche. Deshalb wurde sie bewusst als „Gedächtniskirche“ bezeichnet. Die Erinnerung an Krieg und Vertreibung ist nötig, um das Geschenk des Friedens zu würdigen. Die Vergebungsbereitschaft ist nötig, die für Christen in der Vergebungstat Jesu Christi ihren Grund hat. Deshalb waren es auch Christen, die sich zuerst dazu verpflichtet sahen, zwischen unseren Völkern Worte der Vergebung zu sprechen und den Geist der Versöhnung zu wecken. Die katholischen Bischöfe in Polen sprachen es im November 1965 in kurzen und eindringlichen Worten aus: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“ Wenige Wochen vorher hatte die Evangelische Kirche in Deutschland ihre berühmte Ost-Denkschrift veröffentlicht. Sie bekannte sich zur deutschen Schuld an Krieg und Vertreibung und weckte die Bereitschaft, um der Versöhnung willen die Grenze an Oder und Neiße anzuerkennen. Genau dadurch wurden Brückenschläge über diese Grenze möglich.
Die Gedächtniskirche in Rosow schlägt eine solche Brücke. Die kühne, transparente Stahlkonstruktion der Turmhaube, die an die Stelle des alten Fachwerkbaus getreten ist, tritt von allen Seiten in den Blick. Man kann durch sie hindurchschauen. Sie hat nichts Trennendes, sie verbindet. Als Christen wie als Menschen guten Willens treten wir dafür ein, dass aufrichtiges Gedenken und Versöhnungsbereitschaft den Weg in die Zukunft bestimmen. Denn der Zaun, der uns trennt, ist abgebrochen. Christus ist unser Friede. Deshalb wollen wir auch in Zukunft Versöhnungsbereitschaft stärken, wo wir können, Menschen zusammenführen, wo immer es möglich ist. Die Grenze, die uns einst trennte, kann uns heute miteinander verbinden. Dafür ist diese Kirche ein Zeichen. Scheinbar steht sie am Rand. Doch sie ist ein Zeugnis für das, was im Zentrum einer guten Zukunft steht: die Überwindung von Feindschaft, die Bereitschaft zum Frieden.

Polnische Zusammenfassung der Predigtgedanken von Bischof Wolfgang Huber
"Nie jesteście już gośćmi ani przychodniami …" . Słowa z listu św. Pawła do Efezjan towarzyszą tej dzisiejszej wspólnej celebracji 10. rocznicy położenia symbolicznego kamienia węgielnego pod kościół-pomnik w Rosow. Tutaj ani Polacy ani Niemcy nie są już przychodniami, ale budowniczymi mostów. Kościół, którego rocznicę odbudowy świętujemy choć zewnętrznie jest potężnym budynkiem w rzeczywistości jest mostem, który łączy obie nacje. Stalowy szkielet wieży pozostał niewypełniony. Jest dzięki temu wymowny świadectwem tej transparentności koniecznej we wzajemny dialogu i budowaniu mostów. Modląc się w tym kościele-pomniku, pod transparentną wieżą,  jako chrześcijanie jesteśmy świadkami możliwego przebaczania. Dzięki niemu to co nas kiedyś dzieliło, tak jak granica, może stać mostem łączności. Kościół-pomnik w Rosow, staje się pomnikiem-znakiem: przezwyciężania wrogości i gotowości do pokoju.

Ksiądz Prof. Dr. Cezary Korzec - Rosow