Grundsteinlegung

Zeitung und Jagdmesser für Nachwelt
Andenkenkiste symbolischen Grundstein im Gemäuer der Gedächtniskirche
Von Ania Sokolow

Sollten Rosower späterer Generationen einmal die kleine Kiste im Gemäuer der Kirche finden, so können sie sich ein gutes Bild davon machen, wie viel Arbeit in der Kirche steckt und was am 23. Mai 2006 passiert ist. Am Mittwoch wurde die Kiste als symbolischer Grundstein feierlich vermauert.

Der Andrang war riesig. Alle Gäste wollten sehen, was Karl Lau, Vorsitzender des Fördervereins für die Gedächtniskirche Rosow, und seine Mitstreiter der Nachwelt hinterlassen wollen. Und viele Besucher hatten Dinge mitgebracht, die sie in die Kiste hinzulegen wollten.
Günter Höppner aus Mescherin zum Beispiel. Der Waidmann spendete ein Jagdmesser und eine Euro-Münze. Slawomir Preiss, Direktor des Museums Stargard, der eng mit dem Projekt Gedächtniskirche Rosow zusammenarbeitet, hatte eine Gedenkmünze mitgebracht. Diese Erinnerungen gesellen sich nun zu den Kopien von Bauunterlagen und Bauprotokollen, zu Zeitungsartikeln über die Kirche der vergangenen 15 Jahre, zu Fotos von Menschen aus dem Dorf und der Umgebung und zu einem Exemplar der Märkischen Oderzeitung vom 24. Mai. „Die Menschen späterer Generationen können sich eigentlich ein ganz gutes Bild davon

davon machen, wie wir gelebt haben", sagte Lau in seiner Rede. Die Umbauarbeiten an der Gedächtniskirche haben eigentlich schon im vergangenen Jahr begonnen. Doch ein geeigneter Augenblick für die feierliche Zeremonie konnte erst jetzt gefunden werden. Die Kirche soll einmal ein würdiger Ort des Gedenkens an Krieg und Vertreibung werden. Außerdem ist geplant, dass der Turm als Aussichtsplattform genutzt wird. Bomber hatten ihn im Zweiten Weltkrieg zerstört. Unter den Gästen war nicht nur der älteste Rosower Max Lau (95), der extra aus Unna angereist war, sondern auch das Ehepaar Scheller aus Bertin, das das Projekt finanziell sehr unterstützt hat. „Meine Mutter ist 1901 in Rosow geboren. Nach der Wende war es ihr größter Wunsch, dass wir die Kirche in Rosow mit aufbauen.  Sie hat sehr darunter gelitten, dass sie Kirchen solch einen Niedergang erlebt hat“, erzählt Karsten Scheller. Er, seine vielen Geschwister und die Familien haben daher gespendet. Max Röschke, Architekt Han-Peter Hansen, Bauleiter Joachim Bensing, Slawomir Preiss und Karl Lau mauerten dann die Kiste in die Wand. Dass der kleine Schatz nicht – wie in vielen anderen Kirchen – in einer Kugel auf dem Kirchturm befestigt wurde, hat einen Vorteil: Wenn der Turm wieder einmal beschädigt wird, bleibt zumindest die Kiste ganz.

Zur Erinnerung wurden u.a. ein Exemplar der Märkischen Oderzeitung und das untere Gruppenfoto in die Kasette hineingelegt. Darüber hinaus sendete der rbb in seinem ausführlichen Bericht ein Interview mit Max und Liselotte Lau.