Das Projekt

Das Projekt

Flucht, Vertreibung, Evakuierung, Umsiedlung, wie immer es zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Seiten genannt wurde, ein Thema, das in der sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR weitgehend als Tabu galt.
Diese Ereignisse und die damit verbundenen einschneidenden Erlebnisse durften nicht offen oder gar gemeinschaftlich dargestellt werden. Und so blieb das Thema Flucht bis in die Gegenwart erhalten.
Im Westen, der späteren Bundesrepublik Deutschland, wurde das Thema zu leicht und zu lange von den Ursachen abgekoppelt. Die Ostsiegermacht Sowjetunion wurde als alleiniger Urheber dieser Nachkriegssituation gesehen. Die Initiatoren dieses Projektes wenden sich gegen die Wiederbelebung dieser Diskussion.

Wir möchten die Geschehnisse von damals aus der Sicht der Betroffenen festhalten, uns aber auf den Blick nach vorn konzentrieren:

Partnerschaft innerhalb der Europäischen Union.

Diese Gedenkstätte veranschaulicht die geschichtlichen Abläufe, die sich hier besonders konzentriert am Kriegsende abgespielt haben. Hierdurch ergibt sich die besondere Aufgabe darin, mit dem Abstand von mehr als einem halben Jahrhundert, insbesondere der jüngeren Generationen unsere Geschichte darzustellen. Dabei werden exemplarisch die Ereignisse der Nachkriegssituation auch überregionale Bedeutung haben. Durch die besondere Nähe zu unserem Nachbarland Polen wird diesem Projekt auch eine grenzüberschreitende Wirkung und Einbeziehung angestrebt.

Der politische Umbruch in Deutschland nach 1989/90 führte in vielen Gemeinden und Städten Findung einer eigenen Identität zur Heimat, Tradition und Geschichte. Es war eine überfällige Hinwendung zu Themen, die in den Jahren nach 1945 bis zum Ende der 80er Jahre im östlichen Teil Deutschlands keine Rolle mehr zu spielen schien, da der politisch ideologische Druck hier deutliche Einschränkungen auferlegte. In unserer Gedenkstätte Rosow soll die Flucht aus der damaligen deutschen östlichen Heimat, aus Hinterpommern und Preußen dargestellt werden. .....

Man braucht nur auf die Karte zu schauen und man sieht die Straßen, die Autobahnen, die Bahnlinien in Richtung Süden und Westen. Neben der demographischen Notwendigkeit so eine Begegnungsstätte zu schaffen, um den Betroffenen noch die Möglichkeit zu geben ihre Betroffenheit zeigen zu können und an die Nachwelt weiterzugeben, ist die Situation, die Atmosphäre für einen solchen Gedächtnisort an der Grenze zu Polen so günstig wie nie zuvor, weil diese Grenze sich in einer entspannten, immer weniger spürbaren Bedeutung befindet.

Der EU-Beitritt Polens ist beschlossene Sache. Außerdem beinhaltet unser Projekt ausdrücklich, dass die betroffenen Polen ebenfalls ihre zwangsweise Entwurzelung darstellen können. Die Einheimischen, (häufig Flüchtlinge auf beiden Seiten der Grenze) und Gäste, die nach Rosow kommen, um ihre biographischen Wurzeln zu vergleichen, haben dann einen öffentlichen Ort, an dem sie äußere Zeugnisse ihrer eigenen Geschichte finden können. Dabei werden wir darauf achten, dass emotionale Einseitigkeiten nicht bedient werden. Gleiches stellen wir uns auch für die Menschen auf der anderen Seite der Oder vor, die Polen, deren Staatsgebiet im Krieg und nach dem Krieg verschoben wurde und damit auch Menschen "verschoben" wurden.

Dazu wollen wir unsere teilweise zerstörte und brach liegende Dorfkirche und ihr Umfeld wieder mit Leben erfüllen. Aus der Dorfkirche Rosow, einschließlich des Kirchhofgeländes soll neben der dann auch wieder möglichen kirchlichen Nutzung, ein Deutsch-Polnisches Dokumentations- und Kommunikationszentrum unter dem Motto "Begegnung mit der Geschichte" entstehen. Darin sollen die Menschenbewegungen als Folge des zweiten Weltkrieges auf beiden Seiten der Oder dargestellt werden. Nach unseren Vorstellungen sollen zu dieser Thematik, verbunden mit Gegenwarts- und Zukunftsthemen, Ausstellungen, Vorträge, Diskussionen, kulturelle Inhalte an diesem Ort möglich werden. Diese konzeptionellen Vorstellungen sollen sich auch in einer umfassenden und interessanten baulichen Lösung widerspiegeln.

Zum Umgang mit dem Gebäude Kirche (denkmalschützerische Aspekte).

Der mittelalterliche Grundriss und das so vorhandene Mauerwerk bleiben unangetastet. - Die barocke Fenster- und Türengestaltung wird beibehalten. Eine Innenausstattung, auf die man Rücksicht nehmen müsste, gibt es praktisch nicht. - Hier wird es eine komplette Neugestaltung geben, die der Funktionalität einer Gedenkstätte diesen Inhaltes gerecht wird. - Die kirchliche Nutzung würde dadurch ebenfalls im Bedarfsfall wieder möglich. - Der Turm soll nicht mehr nach historischem Vorbild erneuert werden. - Hier haben wir in unserem Entwurfswettbewerb auf eine moderne Lösung orientiert, deren Ergebnis(se) Ihnen vorliegen. Als zukunftsorientierten wirtschaftlichen Faktor stellen wir uns auf dem Kirchendach oder im Freigelände eine moderne Solaranlage vor

Kirche als angemessener Ort
Wir Initiatoren sagen, dass eine Kirche ein guter, angemessener Ort für die Darstellung und Begegnung mit diesem Thema ist. Wir denken sogar, dass eine Kirche ein besonders geeigneter Ort dafür ist.
Ein symbolischer Ort des Leides und der Hoffnung. Ein "Schutz" gegen unerwünschten Eifer und ein Vertrauensangebot für interessierte Befürworter unseres Projektes. Die Thematik lässt auch keine "Kombination" in, bzw. mit, schon bestehenden, geförderten Einrichtungen zu, weder auf Reiterhöfen noch in volkskundlichen oder technischen Museen.
Unser Vorhaben erfuhr bisher Unterstützung durch das Amt Gartz (Oder), dem Arbeitsamt Eberswalde durch Antragstellung auf ABM um Gelände- und Gebäudeberäumungen vorzunehmen.
Und ein auf gleicher Basis arbeitender Mitarbeiter als konzeptioneller Ansprechpartner für das Projekt konnte eingesetzt werden.
Die Kirchengemeinde stellt als Eigentümer die Kirche und das Kirchhofgelände für die geplante Gedenkstätte zur Verfügung, die rechtlichen Vereinbarungen dazu liegen vor. Dabei bleibt ein gewisses Hausrecht der Kirchengemeinde bestehen, bei dem die kirchliche Nutzung hinter dem Ausstellungs- und Veranstaltungsort bewusst zurücktritt. - Da unsere "Gedächtniskirche" auch eine Sitzplatzkapazität erhalten wird, kann zu gegebenen Anlässen auch wieder Gottesdienst gefeiert werden. - Der Bedarf dafür ist aus verschiedenen Gründen nicht hoch im Jahr anzusetzen.
Erste Kontakte und positive Reaktionen sind mit der Kommunalgemeinschaft POMERANIA entstanden.
Die Kontakte zu unserer Partnergemeinde Ahrensburg in Niedersachsen werden wir auch für unser Projekt nutzen können. Unterstützende Begleitung erfahren wir weiterhin von Herrn Angus Fowler, Vorsitzender von Ecovast, Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.
Herr Angus Fowler ist Mitglied unseres Vereins.

Polnische Partner
Auf der polnischen Seite haben wir Partner gefunden, die sowohl Interesse für den Erhalt alter Kirchen auf beiden Seiten der Oder haben, als auch an unserer Thematik der „Gedächtniskirche“ interessiert sind. Das sind Herr Dr. Slawomir Preiss, Direktor des Museums Stargard/Szczecin und sein Mitarbeiter, Herr Marcin Majewski. Beide zeigen großes Interesse an der historischen Aufarbeitung Pommerns. Sie sind Mitglieder im Stadtinteressenverein Stargard/Szczecin „Towarzystwo Przyjaciol Stargadu“. Herr Majewski nahm auch an der Gründungsversammlung des Fördervereins teil. Eine Zusammenarbeit des Museums Stargard mit den Landesarchiven in Greifswald und Stralsund zeugen von der überregionalen historischen Arbeit. Einen Einblick in diese wissenschaftliche Aufarbeitung wird uns durch eine Ausstellung in der Gedächtniskirche gezeigt. Publikationen von Büchern, Landkarten, Fotoreproduktionen, Urkunden und Ansichtskarten werden die Ausstellung bereichern.

Der Geologe und Kirchenspezialist Marek Ober aus Szczecin / Stettin, Mitglied unseres Vereins, steht hilfsbereit an unserer Seite. Er berät uns nicht nur im Umgang und über den Wert unseres alten Gemäuers, sondern gibt uns auch wertvolle Hinweise über die polnische Befindlichkeit zum Thema Flucht und Vertreibung - Ein weiteres Zusammenwirken mit unseren polnischen Nachbarn könnte die Nutzung von Quellen und Archiven in Stettin zur Erlangung verschüttet gegangener Informationen über unseren früheren Kreis Randow sein, der im heutigen Fördergebiet lag.

Grenzüberschreitende Bedeutung / Integrationsprozess
Flüchtlinge, Vertriebene, Umgesiedelte und deren Nachkommen leben auf beiden Seiten der Oder in dieser Region. - Der Wunsch, das Interesse an der Darstellung dieses Themas besteht auf beiden Seiten. Ohne die Öffentliche und gemeinsame Darstellung der deutschen und polnischen Schicksale, bleiben diese Ereignisse mit ein Grund für gegenseitige Vorbehalte und Mißverständnisse und behindern den jetzt notwendigen Integrationsprozess. - Wir möchten mit unserem Projekt einen "atmosphärischen" Beitrag für mehr Offenheit und Miteinander leisten.

Verbindung zum Tourismus
Unsere Gedenkstätte soll in das Tourismuskonzept dieser Region eingebunden sein. - Das bedeutet bei uns besonders die Nutzung des Radwegenetzes, sowohl des Nationalparks ‚Unteres Odertal’, an dessen nördlichem Rand wir liegen, wie auch der Oder - Neiße - Radweg, über den man von Süden und Norden zu uns kommen kann, - Die nahe gelegene Oder spielt natürlich eine große touristische Rolle in unsere Gegend. - Über sie könnte man uns sogar von Basel aus erreichen, naheliegender für Individualskipper allerdings von den Haff- und Boddengewässern der Ostsee oder von Berlin. - Im Zusammenhang mit unserem Projekt für das Herkommen in unsere "Ecke" sind die bestehende Bundesstraßenverbindung und die Nähe zur Autobahn (All mit Anschluss A20) wie die Eisenbahnverbindung Berlin - Szczecin / Stettin bis fast vor Ort positive Faktoren. -
Ein Besuch der Gedenkstätte würde auf jeden Fall auch die Möglichkeit zur landschaftlichen Erkundung unserer Region bieten und umgekehrt.

Zum Betreiberkonzept: Eine Person als ständiger Begleiter des Projektes bzw. der Gedenkstätte ist unverzichtbar, eher zu wenig. - Wir werden, je nach personellen Möglichkeiten, vorrangig eine „Wochenendöffentlichkeit" herstellen, d.h. der Besuch der Ausstellung und stattfindende Veranstaltungen, Begegnungen werden vorzugsweise am Sonnabend/Sonntag und an Feiertagen natürlich, personell und organisatorisch ermöglicht. - Die personelle Besetzung würde an den übrigen Wochentagen, außerhalb der Ferien- und Urlaubssaison sowieso, und immer von Ausnahmen abgesehen, verkürzt für interne Arbeiten anwesend sein, auch während dieser Zeiten sollte für interessierte Besucher geöffnet sein. - Für den Besuch der Ausstellung im Kirchenschiff werden wir keinen Eintritt erheben. - Für den, wenn wieder hergestellten Turm, haben wir ein gesondertes Konzept. - Er soll als Aussichtsturm täglich und zu ausgedehnten Zeiten in „Selbstbedienung" über einen sogenannten Drehkreuzmechanismus mit Münzeinwurf zugänglich gemacht werden. - Ein Aussichtspunkt ist immer ein Erlebnis, ein natürlicher Drang des Menschen, die Dinge von oben zu sehen. - Für unser Projekt ein gutes Symbol Weitsicht zu üben.

Wirtschaftliche Effekte: Natürlich rechnen wir auch mit wirtschaftlich belebenden Effekten, die durch das Projekt für unseren Ort, für die nähere Umgebung und grenzüberschreitend eintreten werden. - Zuerst die verschiedenen Etappen der Bautätigkeit, dann nach der Eröffnung der Gedächtniskirche Rosow die größere Aufmerksamkeit für unseren Ort und alles was die Anwesenheit von mehr Besuchern, Gästen und Publiken nach sich zieht. - Zum Beispiel Erhöhung der Übernachtungen in vorhandenen Kapazitäten bis hin zur Schaffung zusätzlicher Unterkünfte, immer auch für die umliegenden Orte mitgedacht. - Vermehrte Handels-, Dienstleistungs- und Gastronomietätigkeiten.

Unser Projekt ist so außergewöhnlich und erstmalig im Fördergebiet und darüber hinaus, dass es eine solche Aufmerksamkeit und Bedeutung erlangen könnte, dass sich schon von daher die Förderzustimmung begründen ließe. - Dieses wäre ein besonderes Beispiel dafür, wie Kreativität und Initiative mit Hilfe der POMERANIA e.V. umgesetzt werden kann.