Bericht über eine Tagesfahrt

Bericht über die übergemeindliche Tagesfahrt nach Rosow mit Abstechern nach Greifenhagen (Gryfino) und Mönchskappe (Zabnica) vom 27.9.2015

Kennen Sie Rosow und seine Gedächtniskirche? Vermutlich nicht, wie jedenfalls ich vor dem 27.9.2015. Ein Dorf, 549 Einwohner (Ortsbuch des Deutschen Reiches von 1916), dessen Ackergrenzen, Gemeindegrenze, Kreisgrenze, Landes- und Staatsgrenze heute im äußersten Nordosten der Uckermark nach Osten hin zusammenfallen. Reinickendorfer Gemeindeangehörige füllten am frühen Morgen einen Bus und fuhren mit Mitgliedern des KME (Kammermusikensemble der Kirchengemeinde Heiligensee) nach Rosow. Dort erwarteten uns nach rund zweistündiger Fahrt Dorfbewohner, Gemeindeglieder und eine ungewöhnliche Dorfkirche. Erkennbar eine Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert, frisch und hell innen und außen, mit einem hohen Stahlgerüstturm. Mit ihm hat es eine besondere Bewandtnis. Das Stahlgerüst steht auf dem Feldsteinsockel an der Stelle des alten Kirchturms, der 1945 kurz vor Kriegsende als militärischer Beobachtungsturm heruntergeschossen wurde und gleich das Dach des Kirchenschiffes mitnahm. Die Ruine konnte in der folgenden Zeit nicht dauerhaft renoviert werden. Dies hat erst die Zeit nach 1989 und die ideenreiche Arbeit der Orts- und Gemeindeglieder, des Ortsvorstehers Lau und vieler Förderer und Spender sowie der Familie Scheller ermöglicht. Ein schöner Innenraum, im Turmbereich Raum zu vielfältiger Nutzung. Sie stehen für die Gemeindegottesdienste, musikalische und sonstige Veranstaltungen der Gemeinde und ihrer Umgebung über die oben aufgeführten Grenzen hinweg zur Verfügung. Wir haben dann das KME zurückgelassen und sind nach Mönchskappe (533 Einwohner) zum dortigen Friedhof gefahren, wo uns Glieder der polnischen katholischen Gemeinde erwarteten. Hier befindet sich ein Denkmal, das 2013 aus Ziegeln eines im Krieg zerstörten deutschen Wohnhauses gebaut worden ist, und an dem Grabsteine vor 1945 verstorbener Einwohner ihren Platz gefunden haben. Wir hielten eine Andacht gemeinsam mit den heutigen Einwohnern, Pfarrer Luther und dem polnischen Ortsgeistlichen. Wie schön ist es, dass nach Kriegen, Millionen Toten, Vertreibung von Millionen über die Oder und Neiße einerseits und über den Bug aus Weißrussland und aus der Ukraine andererseits Glieder der Gemeinde der Heiligen an solchem Ort gemeinsam singen und beten.

Nach kurzer Fahrt nach Greifenhagen in die frühere Kreisstadt Rosows und Mönchskappes wurden wir vor der Kirche erwartet. In Greifenhagen (gegründet 1254 durch Pommernherzog Barnim I, Lokator Rudolf von Belekow), 1916 7.260 Einwohner, erläuterte uns ein Philologe den Kirchbau. Ein wuchtiger Bau, nahezu quadratischer Feldsteinturm mit Barockaufsatz, ein Feldsteinchor, Turm und Chor verbunden durch ein hochgotisches Ziegellanghaus wurden uns interessant von dem genannten Hochschullehrer erklärt. Ein promovierter Germanist der Universität Stettin verschaffte uns über Äußeres und Inneres der Kirche (sehr schönes Sternrippengewölbe) einen bleibenden Eindruck des Vortrages des Professors.

Bei der Ankunft in Rosow war ein Zelt für uns aufgebaut und ein Hühner- und Gemüsesüppchen dampfte bereits. Ach, wie gut schmeckte das. Für einen Nachschlag war im Warmhaltegefäß und in den Mägen noch Platz. Gesättigt gingen wir in die Kirche und feierten unter musikalischer Begleitung des KME mit Einwohnern Rosows und anliegender polnischer Gemeinden mit zwei polnischen Geistlichen und Pfarrer Luther einen ökumenischen Gottesdienst. Jeder hat in seiner Muttersprache gesungen und gebetet. Pfarrer Luther hat deutsch und polnisch gepredigt. Beeindruckend. Es wurde deutlich, dass der Dreieinige Gott keine Staats- oder konfessionelle Grenzen kennt. Anschließend gab es draußen im Zelt Kaffee und Kuchen, und wir hatten Zeit für anregende Gespräche bis zum Beginn eines Konzertes in der Kirche. Wir hörten das Konzert d-Moll für Flöte und Streichorchester von C.P.E. Bach, mit dem das KME unter Kantorin Rochlitz und die Solistin Ellen Pabel uns erfreuten.

Während der Rückfahrt über Landstraßen und durch weite Wälder grüßte uns am späten Nachmittag der aufgegangene riesige Mond und begleitete uns nach Hause, Wie schön war doch die ganze Fahrt, von der ich nur einiges berichte.

02. Okt. 2015                                                                                        gez. Ulrich Schoof, Verwaltungsrichter i. R.