31.Mai 2015

Der Rose Pilgerfahrt  Ein Schumann-Konzert in der Rosower Gedächtniskirche

Das Mai Konzert in der Gedächtniskirche Rosow stand für viele Besucher sicherlich im Zeichen der vergangenen Jahre: Frühlingslieder, Volksweisen, bekannte Volkslieder. Doch es wurde anders: wieder ein wunderbarer Nachmittag mit 2 Chören und 4 Solisten mit einem ansprechenden Frühlings Oratorium von Robert Schumann.

Dagmar Budnick, engagierte Leiterin der beiden Chöre, des Gartzer Stadtchors und des Penkuner Cantemuschors, hatte das Gemeinschaftsprojekt zum 40. Chorjubiläum des Gartzer Stadchores auf den Weg gebracht. Der Beifall der Zuhörer der bis auf den letzten Platz gefüllten Rosower Gedächtniskirche war heute Lohn der mühevollen und langen Vorbereitungen.
Nach dem heutigen Konzert in der Rosower Gedächtniskirche steht fest, dass an diesem schönen Sonntagnachmittag alle Besucherinnen und Besucher einen stimmungsvollen Nachmittag in Rosow erleben konnten.

Das anschließende Kaffeetrinken, mit leckerem Kuchen, der von Rosower Bürgerinnen gespendet wurde, gab dann die Möglichkeit,  sich über das Konzert gedanklich auszutauschen.

Zum Oratoriums eine Zusammenfassung der märchenhaften Geschichte:
Der Rose Pilgerfahrt: Liederzyklus von Robert A. Schumann (1810-1856) nach einem Text von Heinrich Moritz Horn (1814-1874).

Das Märchen beginnt im Frühling, in der Sommersonnenwende, wo dem Frühlingserwachen der Liebe die Hochzeit folgt
Die Tochter der Elfenkönigin möchte ein Menschenmädchen werden, um Liebe und Gefühle zu erleben, mit allen Freuden und Schmerzen, die dem Volk der Anderwelt fremd sind, wo nur Glück und Frieden walten.
Die Elfenkönigin kann ihre Tochter Rose nicht zurückhalten und gibt ihr als Schutz eine Rose als Totem mit. Die Rose soll sie immer an ihrer Brust tragen. Wenn sie sie verliert, würde sie sterben und wieder ins Reich der Elfen zurückkehren.

zurück

Rose wird jetzt als Mensch wiedergeboren, erwacht in der Welt und macht sich auf, die Menschen kennen und lieben zu lernen. Zuerst aber begegnet ihr nichts als Misstrauen und Ablehnung, Hartherzigkeit statt Liebe.
Die nächste Begegnung führt Rose zum alten Totengräber. Sie erfährt seine Herzengüte und lernt gleichzeitig eine charakteristische Eigenschaft der Menschen kennen: Das Sterben, im Fall der jungen Müllerstochter, die eben zu Grabe getragen wird, den Tod aus Liebeskummer.
Rose hat großes Mitgefühl mit dem verstorbenen Mädchen. Sie übernachtet beim Totengräber, im Traum gelockt vom Chor der Elfen: „Hoffe nicht auf Glück bei den Menschen – komm zurück!“
Rose hat aber den Tiefpunkt ihrer Erdenreise bereits durchschritten und ist sozusagen im Haus des Totengräbers schon auf dem Rückweg von ihrer schamanistisch angehauchten Jenseitsreise, wo sie dem Tod nur indirekt begegnete. Am anderen Morgen bringt der Totengräber Rose zu den Müllersleuten, die sie anstelle ihrer vertorbenen Tochter mit Freuden aufnehmen. Rose wird bald der Liebling des ganzen Dorfes. Die Liebesgeschichte mit einem jungen Manne lässt nicht lange auf sich warten.Der Jägerssohn ist der Glückliche. Nach einigem romantischem Sehnen und Seufzen wird mit einem fröhlichen, ausgelassenen Hochzeitsfest schliesslich die Heirat gefeiert.
Der Chor der Jäger, das Lied der Mühle und das Hochzeitsfest geben der Musik reichlich Gelegenheit, die Geschichte mit volkstümlichen Melodien auszuschmücken.Müller und Jäger sind in den Märchen immer wieder vorkommende Berufe, aber immer auch nur ein unerlöstes Übergangsstadium. Wir dürfen also gespannt sein auf die weitere Entwicklung. Ist es das typische Feenschicksal, in welchem ein Tabubruch, oder hier der Verlust des Rosentotems, den Tod und die Rückkehr in die Anderwelt bedeuten?
Rose hat jetzt Liebe und Mutterschaftsglück erfahren. Ihre irdische Lebensreise, die Pilgerreise ist zuende. Sie gibt ihrem Kind als heilbringendes, schützendes Totem ihre Rose weiter. Sie opfert aus Liebe ihre irdische, menschliche Existenz für ihr Kind.
Rose stirbt. Aber sie kehrt nicht ins Reich der Elfen zurück, sondern darf sich zu höherem Licht, zu den Engeln emporschwingen. Rose ist ganz Liebe geworden und kann deshalb den Erlösungsweg einer menschlichen Seele gehen.
So hebt sich das Märchen von „der Rose Pilgerfahrt“ ab von den meisten anderen Feenmärchen, in welchen den Wesen aus der Anderwelt die Höherentwicklung verwehrt wird