23.Mai 2015

3. Kolloquium Rosow – Żabnica

– Zusammenfassung des Verlaufs –

IMG_0988 Karl LauDr.Michal Kulik Die etwa 35 Teilnehmer/innen wurden in der Gedächtniskirche Rosow zunächst vomIMG_1000Dr. Cezary Korzec Vorsitzenden des Fördervereins, Karl Lau, und dem Spiritus Rector der Kolloquien, prof. US. dr hab. Bogdan Matławski, offiziell begrüsst. In einer anschließenden kurzen Andacht zur biblischen Geschichte des Turmbaus zu Babel wurde von Frau Dipl.-Med. Gerlind Näther-Ndoung analog zur Vergangenheit auf die Hürde der sprachlichen Verständigung zwischen den Völkern Bezug genommen. Dieser Gedanke wurde ergänzend auch von ks. dr hab. Cezary Korzec aufgegriffen.

Begrüßung und Eröffnung in der Gedächtniskirche Rosow durch Karl Lau (Rosow), prof. US. dr hab. Bogdan Matłlawski (ŻZabnica), Dipl.-Med. Gerlind Näther-Ndoung (Cottbus) und ks. dr hab. Cezary Korzec (Rosow)


IMG_0994 Die zum Thema des Tages vorgesehenen Beiträge des Programms  wurden danach in den für kleinere Versammlungen vorgesehenen Räumlichkeiten von Dr. Korzec gehalten. Sie befinden sich in Rosow in der ehemaligen Gaststätte. Dort konnte man sich gleichzeitig bei Kaffee (bzw. Tee) und Kuchen stärken und sich nachher noch über das Gehörte austauschen.

Gerlind Näther-Ndoung stellvertretende Vorsitzende des Trägerverein der Evangelischen Salveytal-Grundschule Tantow e.V.


IMG_0989Die Beiträge von Karl Lau und von Lehrerin i. R. Waltraud Stephan vermittelten im Film bzw. Vortrag Eindrücke von der Schulsituation der betrachteten Jahre. Sie ließen aber auch Rückschlüsse auf das jeweilige pädagogische Konzept zu.
In den dreißiger Jahren bestand es häufig – sicher aufgrund der sehr großen Klassen und dem Zeitgeist entsprechend – aus Disziplinierung, Drill und Faktenvermittlung.
Im Vortrag von Frau Stephan wurde eine gewisse Veränderung der pädagogischen Konzeption erkennbar(vgl. Anlage)

  • nach Stichworten zur Entwicklung von der „Dorfschule” nach 1945
  • über die „Zentralschule“ ab 1952 (Klassen 5 bis 8) und
  • nach der ausführliche Darstellung der Arbeitsweise der „Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule“ in Tantow (Klassen 7 bis 10) in den Jahren 1960 bis 1990.

IMG_1012Dr.Michal KulikDr.Michal KulikHier gewann die technisch-praktische Förderung der Schüler/innen – auch auf der Grundlage nicht ganz ideologiefreier humanistischer Werte – ein gewisses Gewicht.

Ein unübersehbarer Qualitätssprung in der pädagogischen Konzeption wird in den folgenden Beiträgen zu den zwei kleinen, aktuell in der Region bestehenden Schulen deutlich, über die danach im Verlauf der weiteren Veranstaltung informiert wurde: nämlich über die „Evangelische Salveytal-Grundschule“ (ESG) in Tantow und die „Katolicka Szkola Postawowa im. Swietej Rodziny“ (KSP – „Katholische Grundschule zur Heiligen Familie“) in Stettin.

Die ESG, eine Schule in freier Trägerschaft, verantwortet vom „Trägerverein der Evangelischen Salveytal-Grundschule e.V.“ besteht seit 2007, wie von einem ihrer Vorstandsmitglieder, Frau Claudia Roy, u. a. ausgeführt wurde. Die Schule arbeitet nach dem Montessori-Konzept, das das Kind in den Mittelpunkt des Geschehens stellt und zum Ziel hat, es durch weitgehende Beachtung der freien Wahl und freien Entscheidung zu Unabhängigkeit und Freiheit zu erziehen.IMG_1007

Die Schule, die seit 2013 von Klasse 1 bis 6 läuft, hat für ihre insgesamt 45 Schüler/innen (davon 2 afghanische, 2 brasilianische und 15 polnische Kinder) 8 Lehrkräfte (davon 4 polnische). Sie bietet damit in den Kleingruppen die besten Voraussetzungen für eine wirklich individuelle Förderung. Die zwei Sprachen stellen kein Problem dar, weil die polnischen Kinder Deutsch lernen und die deutschen Kinder Verständnis für die polnische Sprache entwickeln. Befruchtend entwickelt sich auch die Partnerschaft zur KSP durch die Begegnungen beim Wandern, Basteln, Musizieren, Theaterspielen usw.

Trotz des mittlerweile 8-jährigen Schulbetriebs lassen sich aber Probleme nicht übersehen, wenn z. B.

  • die Schule sich durch den Staat nicht genügend unterstützt fühlt,
  • gut ausgebildeten polnischen Lehrkräften die volle Anerkennung versagt wird,
  • der Schule eine wie an staatlichen Einrichtungen vorgesehene Bezahlung ihrer Mitarbeiter nicht möglich ist,
  • in der Öffentlichkeit ohne Kenntnis der pädagogischen Gegebenheiten vereinzelt vorurteilsbehaftete Mutmaßungen  geäußert werden und auch
  • in der Presse vor einem Jahr unter einer reißerischen Überschrift ohne Angabe des eigentlichen Hintergrunds sogar die latente Stimmung gegen die Schule öffentlich zum Ausdruck gebracht wurde.
    Die Schule hat sich bisher und will sich auch in Zukunft dadurch nicht entmutigen lassen. Ihr erklärtes Ziel ist es, in jedem Jahrgang 10 Kinder einzuschulen, weil 60 Schüler/innen den Betrieb finanziell erleichtern würden. 

Frau Dorota Bednarek, die Leiterin der KSP in Stettin, hatte krankheitsbedingt einen Bericht zu ihrer Schule nur schriftlich schicken können. Zusammengefasst führt sie darin aus:

Die Schule wurde 1996 durch eine Initiative von Eltern und  mit Unterstützung des Erzbischofs Marian Przykucki in der Verantwortung der Erzdiözese Stettin gegründet. Die Anlaufschwierigkeiten wegen fehlender finanzieller Mittel wurden im Laufe der Jahre überwunden. Die inzwischen voll ausgestattete Schule, in der z. Z. 180 Schüler/innen von 26 Lehrer/innen betreut werden, achtet bei der Auswahl aus der mittlerweile viel größeren Zahl der Bewerber/innen auf eine breite soziale Mischung.

Ziel der Schule ist nicht nur die Wissensvermittlung, sondern vor allem die Entwicklung der Persönlichkeit der Schüler/innen in ihren möglichen individuellen Facetten im Geist der christlichen Werte. Ihre überschaubare Größe und das überdurchschnittliche Engagement der Mitarbeiter und Lehrer haben Bildungsergebnisse gezeitigt, die der Schule mit einer beachtlichen Zahl von jungen Wettbewerbs-Preisträgern einen Platz unter den Spitzenschulen des Landes verschafft haben.
Wichtig sind der Schule mittlerweile die seit zwei Jahren bestehenden Kontakte zur ESG in Tantow geworden, weil man

  • wegen eines von der Schule verfolgten vergleichbaren pädagogischen Konzepts Erfahrungen austauschen und
  • die Schüler/innen beider Seiten durch wiederholte Begegnungen erste Erfahrungen mit den Menschen der benachbarten Region sammeln lassen könne.IMG_1015

Pfarrer Dr. habil. Cezare Korzec umriss als Initiator der Zusammenarbeit beider Schulen seine Intentionen: Der Zuzug vieler polnischer Familien in die Grenzregion erfordere seines Erachtens eine Schaffung bzw. Reaktivierung von Bildungsstätten. Der nachwachsenden Generation sollte die Chance gegeben werden, möglichst lange in relativer Wohnortnähe Schulen zu besuchen, eine Ausbildung zu durchlaufen und auch zu studieren.

IMG_1018Es bestehe die Gefahr, dass die jungen Menschen, die auf ihrem Bildungsweg die längste Zeit nicht zu Hause leben können, der ländlichen Region verloren gehen. Das beschleunige insbesondere dort den demographischen Wandel und den wirtschaftlichen Niedergang.

Die Gegebenheiten in Tantow lassen die Erweiterung der Schule um eine Sekundarstufe z. Z. nicht zu. Die Schaffung einer zweisprachigen Klasse sei aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Alle Beiträge zur Veranstaltung wurden dankenswerterweise wieder – wie bei den ersten Kolloquien – von Dr. Michał Kulik und Dr. Andrzej Talarczyk gedolmetscht.
 

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