2007-2017 Rosow/Zabnica

2007 – 2017

Rosow / Zabnica
ein Beispiel für gelingende deutsch-polnische Zusammenarbeit

Der 2002 gegründete Förderverein “Gedächtniskirche Rosow  e. V.” war in seinem regionalen Um-feld von Anfang an als innovatives Projekt für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit konzipiert. In den ersten Jahren  stand die beispielhafte Dokumentation von Sckicksalen polnischer und deutscher Menschen, die aufgrund der Kriegswirren geflüchtet oder vertrieben worden waren, im Focus seiner Arbeit. Erklärtes Ziel  war es, Erlebnisse von Menschen beiderseits der Grenze “aufzuzeichnen und damit dem Versöhnungs- und Friedensauftrag zu dienen.”  (Manfred Stolpe ein Jahr nach der erfolgten Wiederinstandsetzung in der MOZ v. 24./25. Mai 2008)

Anhand der  Homepage www.rosow.de lässt sich  belegen, dass der Förderverein diesem Auftrag immer mehr gerecht wird. Die ab 2002 für jedes Jahr dokumentierten Veranstaltungen  zeigen eine stetig steigende Vertiefung der Zusammenarbeit.

Zunächst waren es Veranstaltungen, die trotz der Sprachbarrieren  die Menschen zusammenführten (z. B. die vom  Museumsdirektor Slawomir Preis von Stargard/Szczecinski 2002 für die  Gedächtniskirche zusammengestellte Ausstellung oder 2009 die Beteiligung der polnischen Feuerwehr  am Dorffest in Rosow).

Bemerkenswerte Schritte der zunehmend gelingenden Zusammenarbeit lassen sich für die Jahre 2009 bis 2013 nachzeichnen: Z. B.

  • mit den Deutsch-Polnischen Gottesdiensten, in denen der Berliner Pfr. Luther die polnischen BesucherInnen  auch polnisch angesprochen  hat (2009 und 2010) oder
  • mit der Premiere des von den Stettiner Produzenten Dr. Michał und Pawel Kulik über Rosow gedrehten Dokumentarfilms “Diffusion” (2009), in dem mit Untertiteln in beiden Sprachen gearbeitet wird,
  • mit den Deutsch-Polnischen Gottesdiensten,  in denen jeweils nach der deutschen Predigt auch eine polnische Zusammenfassung von Herrn Scheller (Berlin) verlesen wurde (2011 und 2012),
  • mit der  Absprache im Jahr der 5. Wiederkehr der Instandsetzung (2012) die Gedächtniskirche nicht mehr nur als “Ort für Flucht, Vertreibung und Neuanfang”, sondern darüber hinaus als “Ort  für Versöhnung und Zusammenarbeit” (vgl. Briefformular) zu bezeichnen und
  • mit der  Beteiligung von unterschiedlichen polnischen Chören (Mai und Juni 2011 sowie Mai 2013).

Seit dem Jahr 2013 lässt sich ein großer Sprung in der Intensivierung der beiderseitigen Zusammenarbeit feststellen. Den Anstoß dazu gaben

  • der Ökumenische Deutsch-Polnische Gottesdienst mit Pfr. Luther (Berlin),  ksiądz Gurgul (Żab-nica) und ksiądz prof. Korzec (Rosow) am 1. Sept. sowie
  • die polnisch-deutsche Begegnung anlässlich der Einweihung der neuen Gedenkstätte auf dem Friedhof in Żabnica am 17. November durch. ksiądz Bischof i. R. Marian Kruszyłowicz (Stettin).

In den vergangenen 3 Jahren (2014 – 2016) gab es jeweils einen Ökumenischen Deutsch-Polnischen Gottesdienst mit Beteiligung polnischer Liturgen. Darüber hinaus wurden in jedem Jahr jeweils im Wechsel in Rosow und Żabnica zwei Kolloquien durchgeführt, bei denen jeweils das gleiche Thema nach Impulsreferaten aus der Sicht des anderen Landes betrachtet wurde. Referate und Diskussionsbeiträge wurden dabei in die jeweils andere Sprache übersetzt. Die Kolloquien wurden von Herrn Prof. Bogdan Matławski initiiert; sie werden mittlerweile von einem  kleinen deutsch-pol-nischen Kreis besonders Interessierter vorbereitet.

Beim  deutsch-polnischen Tag “Musikschulen öffnen Kirchen” (14. Mai 2017) mit seinem Abschlusskonzert von Jugendlichen der Musikschulen Angermünde und Stettin konnte man beobachten, wie gut sich die Kommunikationsmöglichkeiten unter den ca. 60 Mitwirkenden verbessert haben.

Am 11. Juni 2017 wurde in Rosow  das 10. Jahr  der Einweihung der Dorfkirche als Gedächtniskirche
begangen. In einem Festgottesdienst würdigte der für die Region zuständige Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit in seiner Predigt das Projekt Gedächtniskirche. Der Gottesdienst wurde erfreulicherweise von einer ganzen Reihe von polnischen BesucherInnen mitgefeiert. Und im Anschluss hatte der Bischof Gelegenheit zu vielen Gesprächen, u. a. auch mit dem bereits seit mehreren Jahren in Rosow wohnenden polnischen Pfarrer, Ksiądz Dr hab. Prof. Cesary Korzec.

Einen weiteren Höhepunkt des 10. Jahres der Zusammenarbeit wird es mit der für den 16. September 2017 geplanten Jubiläumsfeier in Żabnica geben. Dort wird anlässlich des 270. Jahres der Verleihung der Stadtrechte an die ehemalige deutsche Stadt Mönchkappe, gemeinsam gefeiert. An der Vorbe-reitung unter Leitung von Prof. Bogdan Matławski ist eine große Kommission beteiligt. Und  von deutscher Seite werden u. a. Pfr. Riedel (Penkun) bei der Andacht und der Berliner Deutsch-Polnische Chor SPOTKANIE auf dem Friedhof  und der Feier in der Kirche mitwirken.

Karl Lau
Ortsvorsteher und Vorsitzender des Fördervereins
Gedächtniskirche Rosow e. V.

in Zusammenarbeit mit Karsten Scheller (Berlin)

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