11. Juni 2017

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Jubiläum für gerettete Kirche

Rosow (MOZ 10.6.2017) Die Dorfkirche von Rosow war einst stark zerstört. Als Gedächtniskirche feiert sie ihre Auferstehung. Seit zehn Jahren erinnert das Gebäude Einwohner und Touristen an Krieg, Flucht und Vertreibung. Mit einem Festgottesdienst wird jetzt das zehnjährige Jubiläum begangen ... mehr

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Bischofsworte zum Geburtstag

Rosow (MOZ (Kathrin Putzbach-Timm) 13.6.2017) Mit einem Gottesdienst wurde am Sonntag das zehnjährige Bestehen der Gedächtniskirche Rosow gefeiert. Die Gratulanten kamen nicht nur aus der Uckermark, sondern auch aus Berlin und Polen. Die Predigt hielt Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit aus Greifswald.
  
Ungewöhnliche Festpredigt: Bischof Hans Abromeit aus Greifswald sprach beim Jubiläumsgottesdienst sehr lebendig über die Bedeutung einer Kirche als Ort der ErkenntnisIMG_7878ps

Ein opulenter Strauß aus Pfingstrosen, Rosen und Rittersporn zog die Blicke auf sich. Die 80-jährige Marianne Zillmer hatte ihn in ihrem Rosower Garten gepflückt. Er schmückte den Altar der Gedächtniskirche, die am Sonntag ihren zehnten Geburtstag feierte. Zum Festgottesdienst versammelten sich nicht nur Einheimische und Gäste aus den Nachbargemeinden. Auch aus Berlin und dem Nachbarland Polen waren Gratulanten angereist.IMG_7868psp

Die Gemeinde Rosow im Norden Brandenburgs bildet zwar den äußeren Rand der Uckermark, gehört jedoch traditionell zur Pommerschen Kirche. Und so war mit der Festpredigt Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit aus Greifswald betraut. Auch wenn seine sonore Stimme wie gemacht scheint für die "Worte zum Tag" im Radio, waren seine Predigtworte alles andere als alltäglich. An einem eher spröden biblischen Text erläuterte er die Bedeutung einer Kirche. Nicht als dem Wohnsitz Gottes, sondern als Ort der Erkenntnis, an welchem dem Besucher "ein Licht aufgeht", auch über eigenes Versagen, Fehlbarkeit und Schuld.

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Rosow ist ein symbolträchtiger Ort für das Verwobensein des persönlichen Schicksals in die Schuld eines Staates, der durch "aggressive Expansion und Völkerverachtung" Elend über das eigene und fremde Völker gebracht hat. Tausende von Flüchtlingen zogen einst hier durch und auch die Rosower gehörten irgendwann zu ihnen, wie die Schautafeln in der Gedächtniskirche bezeugen. Aber auch für die Überwindung dieser "Schuldverflechtung" durch Vergebung, Versöhnung und Erinnerung ist der Ort Rosow beispielgebend.

Durch die Unermüdlichkeit des Fördervereins unter Vorsitz von Karl Lau sowie durch Fördermittel und private Stiftungsgelder gelang es, die Ruine aus dem Zweiten Weltkrieg zu einer Gedenkstätte für Flucht, Vertreibung und Neuanfang aufzubauen. Während die Kirchengemeinde in Rosow vor 100 Jahren noch 425 Mitglieder zählte, sind es heute nur noch ein Zehntel Kirchgänger. So ist die Nutzung des Gebäudes für kulturelle Zwecke eine gute Möglichkeit, in die exzellent restaurierten Mauern, wie sie in der Uckermark kaum ein zweites Mal zu finden sind, Leben zu bringen. Als Veranstaltungsort zahlreicher Konzerte, Ausstellungen und Theateraufführungen mit überregionaler Anziehungskraft ist die Gedächtniskirche Mittelpunkt des Dorfgeschehens für die 158 Einwohner. Davon zeugte nicht nur das reichhaltige Kuchenbüffet, zu dem auch diesmal wieder die Frauen aus Rosow und Umgebung fleißig beigetragen hatten.IMG_7942psp

Einer von 51 der über Ländergrenzen hinweg Zugezogenen ist Cezary Korzec, der in Rosow lebt und an der theologischen Fakultät der Stettiner Universität unterrichtet. Hier fand er nicht nur ein Zuhause, sondern auch Raum für seine akademische Tätigkeit.

Immer noch verbunden mit Rosow fühlt sich Wenke Paschke aus Nadrense, deren Mutter aus Rosow stammt. Mit ihr und Sohn Timo war sie zum Gottesdienst gekommen, auch um mal wieder den "Bischof zu hören". Ein besonderes Geburtstagsständchen gab es in Form eines kleinen Konzertes vom Alphorn-Quartett des Bläserkreises der Evangelischen Gemeinde Berlin-Weißensee. Dieser hatte unter Leitung von Thomas Lanz auch die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernommen.

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Fotos Michał Kulik